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The Decemberists

Wären die Lieder der Decemberists nicht so gut, würde man vielleicht sagen, dass Songwriter Colin Meloy in erster Linie ein Literat ist und die Musik nur ein Vehikel, um seine Erzählungen unter die Leute zu bringen. Denn ein Literat ist er ohne Zweifel: Ein gieriger Leser, ein Student der Literatur, der veröffentlichte Autor von Jugendromanen, auch in seinen Songs ein echter Erzähler. Im Decemberists-Klassiker „The Sporting Life”, zum Beispiel, singt er aus der Sicht eines jungen Athleten, der vor den Augen seiner Familie und seiner Angebeteten scheitert. Im Detail beschreibt Meloy die Wahrnehmungen des Sportlers: wie er sich, auf dem Rasen liegend, auf die enttäuscht dreinschauenden Augenbrauen seines Trainers konzentriert; seine Freundin, die ihren Arm plötzlich um den Kapitän der gegnerischen Mannschaft legt; der Limonadenstand am Spielfeldrand. Aber es gibt auch noch die Musik: ein geshuffelter Motown-Beat, eine Akustikgitarre, eine Orgel, Bläser, und Meloys idiosynkratisch nasale Stimme, und die Musik ist eben so gut, dass sie die These, es handele sich bei den Decemberists in erster Linie um ein Vehikel für Meloys Texte widerlegt.
Die Band aus Portland––die wesentlich dazu beigetragen hat, die Stadt zu dem Bourgeois-Bohème-Mekka von heute zu machen––hat seit 2002 sieben Alben veröffentlicht. Während sie zwischenzeitlich unwiederbringlich in Progressive-Rock-Konzeptalbum-Gefilde abzudriften drohte, hat sie zuletzt wieder den Weg zurück zu eingängigen Folk-Stücken gefunden.